Montag, 22. Oktober 2012

Schwarzweiße Meinungen

Ich lese gerne Leserbriefe in Printmedien und Kommentare auf Webseiten. Während dabei die Leserbriefe in Printmedien fast immer komplett gelesen werden, kommt es bei Kommentaren auf Webseiten immer ein wenig auf Thema, Tendenzen und vor allem die Menge an. Spätestens nach zwanzig Kommentaren wiederholen sich die meisten Argumente, Ideen und Anmerkungen. Außerdem - aber das ist ein ganz anderes Thema - ist es oftmals anstrengend, Epistel von Menschen zu lesen, die Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik für zu altmodisch fürs Internet empfinden - von der fehlenden Kinderstube ganz zu schweigen.

Aber das soll nicht mein Thema sein. Es geht darum, wie Mütter angeblich sind.

Über einen Blogeintrag habe ich von einem Berliner Café namens The Barn Roastery erfahren, das mithilfe eines Betonpollers Müttern mit Kinderwagen den Zugang verwehrt. Was man davon halten mag, bleibt jedem selbst überlassen. Berichte über dieses Café waren auch in weiteren (Online-)Medien zu finden. So weit, so gut. Was mich mehr entsetzt hat als die Tatsache, dass ein Cafébesitzer sein Café zur kinder(wagen)freien Zone erklärt, waren viele der Kommentare. Teilweise sprühte mir da der pure Hass gegenüber Eltern und insbesondere Müttern entgegen. Nach Lektüre der mütter- und kinderfeindlichen Kommentare muss man fast zwangsläufig zu folgendem Schluss kommen:

1) Mütter hocken den ganzen Tag im Café und lassen ihren Nachwuchs dort ungehemmt toben.
2) Erziehung ist ein Fremdwort. Daher sind alle Kinder ausnahmslos Rabauken, die Lärm machen, ungezogen sind und anderen Menschen auf den Sack gehen.
3) Familien leben prinzipiell auf Kosten derer, die aufgrund von Steuerklasse I die meisten Abgaben haben. Vor allem die Mütter lassen es sich dank Elterngeld gutgehen und faulenzen nur rum (s. 1).
4) Und dann verlangen sie auch noch Rücksicht auf sich und ihre unverschämte Brut! 

Zu 1): Ich habe jetzt fast den ganzen Tag am Schreibtisch verbracht und gearbeitet. Gut, mein Nachwuchs ist noch zu klein, um ungehemmt zu toben - aber wenn er in dem Alter ist, wo er das kann, hat er hoffentlich einen Krippenplatz und ich arbeite wieder regulär ganztags! Dann ist eh Essig mit Cafébesuchen tagsüber ...

Zu 2) Diese Mütter gibt es sicherlich, aber eben nicht nur. In meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis gibt es Kinder, die gut erzogen sind und bei denen ich mich immer freue, wenn sie zu Besuch kommen - auch schon früher, bevor wir selbst ein Kind hatten, und trotz der Tatsache, dass unsere Wohnung noch lange nicht kindersicher ist und verlockende Dinge in Greifhöhe liegen. Zu Bruch gegangen ist bislang eigentlich noch nix und das hier herrschende Chaos geht alleine auf Kosten der hier lebenden Erwachsenen.

Zu 3) Ich habe selbst lange genug Steuerklasse I gehabt - so what? So war's halt. Und hätte das mit der Familie nicht geklappt, wovon ich vor ein paar Jahren noch ausging, wäre es dabei geblieben. Da gibt's ganz andere Kandidaten, die da auf meine Kosten leben ... Tja, und wie viel vom Elterngeld übrig bleibt, wenn man als Selbstständiger keine Millionen verdient hat, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Steuervorauszahlungen etc. sowie die täglichen Ausgaben stemmen muss, kann ich gerne mal vorrechnen. Alleine durch KV und Altersvorsorge ist auf jeden Fall schon mal die Hälfte weg ...

Zu 4) Zum Thema Rücksicht habe ich mich ja bereits mal ausgelassen ...

So, ich faule Mutter versorge jetzt mal mein schreiendes Kind (ungezogenes, verwöhntes Balg ... nur wegen etwas Hunger so einen Terror zu machen!).

Dienstag, 9. Oktober 2012

Working Mum

Ich gönne mir als Freiberuflerin eine ausgiebige Elternzeit - und bin auch froh darum. Diese Zeit mit dem Würmchen ist so besonders, so aufregend, und ich bin dabei, ohne ständig meinen Schreibtisch im Auge behalten zu müssen. Natürlich habe ich mir viele Gedanken gemacht, ob das meinem Geschäft guttut. Das bleibt immer noch abzuwarten. Ob alle Versprechen hinsichtlich weiterer Zusammenarbeit gehalten werden (können), sehe ich, wenn ich wieder "richtig" in den Job einsteige.

Um jedoch nicht ganz den Anschluss zu verlieren, habe ich mich bereit erklärt, zwei Projekte mit großzügigen und sehr flexiblen Bearbeitungszeiten weiterhin zu betreuen. Das hat bislang auch gut geklappt. Nun kam von einem meiner liebsten Kunden die Anfrage, ob ich für zwei, drei kleinere und ein größeres Projekt kurzfristig die Urlaubsvertretung für meine Schwangerschaftsvertretung übernehmen könnte. Ich hielt das für eine gute Gelegenheit, die Kundenbindung zu pflegen, und habe gerne zugesagt.

Zum ersten Mal wieder Arbeit unter "Kampfbedingungen", d. h., mit kurzfristigen Deadlines. Es hat funktioniert. Irgendwie. Und ich muss sagen: Gut, dass mir meine Blauäugigkeit hinsichtlich der Vereinbarung von Beruf und Kind schon jetzt genommen wurde. Unser Würmchen ist ein recht pflegeleichtes Kind, das wenig schreit, sich alleine mit seinen Spielsachen beschäftigen kann, auch tagsüber (meistens) gut und lange schläft. Und trotzdem war es stressig - weil der Kleine ja dann doch mal quäkt und beschäftigt werden will, ungeplant schon früher Hunger hat, er kurz nach dem Einschlafen wieder aufwacht, weil das Telefon klingelt, und so weiter. Das wirft in Nullkommanix die Planung über den Haufen.

Irgendwie war mir schon klar, dass das so ist - aber Theorie und Praxis sind doch zwei sehr unterschiedliche Dinge. Ich bin froh, dass ich das jetzt ausprobiert habe und meine Planung für den Wiedereinstieg in den Job damit ganz anders aussehen wird. Nicht von null auf hundert. Und nicht ohne Kinderbetreuung - auch wenn ich es doch so gut habe, weil ich von zu Hause aus arbeite. Von zu Hause aus arbeiten heißt nicht, dass man nebenbei noch das Kind betreuen kann - es sei denn, man entschließt sich, den Job nebenbei zu machen. Und das kann und will ich nicht.

Die nächste große Aufgabe muss also heißen: Krippenplatz suchen und finden. Ich werde berichten.

Freitag, 21. September 2012

That's amore!

Es schreit wie am Spieß, obwohl Mama arbeiten möchte, spuckt geschickt am Spucktuch vorbei auf die frischen Klamotten, besabbert den gerade angezogenen Pullover, hat dann die Windel voll (und den Body gleich mit), schreit wieder, diesmal hysterisch, windet sich, lässt sich nicht beruhigen, so lange, bis Mama leicht genervt ist und nicht mehr weiter weiß - und dann sinkt auf einmal das Köpfchen erschöpft an Mamas Schulter, die einhändig etwas in den Computer tippt, der Atem wird ruhig, das Kind schläft vertrauensvoll ein.

Und schon ist es wieder da, dieses Gefühl - pure Liebe.

Mittwoch, 19. September 2012

Zum Weiterlesen

Auch wenn man sich tagsüber "nur" um das Baby kümmern muss, hat man doch immer zu wenig Zeit. Wenn dann noch fiese Erkrankungen dazukommen, die einen komplett aus dem Verkehr ziehen - in diesem Fall fast eine Woche lang -, dann ist man erst mal damit beschäftigt, praktische Dinge aufzuarbeiten: Rechnungen, E-Mails von ungeduldigen Kunden etc.

Darum gibt es heute mal zwei Blogtipps von mir, mit denen man sich lohnend die Zeit vertreiben kann, bis ich mal wieder in der Spur bin. Beide Blogs werden von einer Schulfreundin betreut, die zum einen viel fleißiger ist als ich und zum anderen viel schöner schreiben kann.

Da ist zum einen BerlinMitteMom - ein Blog mit Gedanken aus dem Leben einer schreibenden Mutter mit drei Kindern in Berlin. Macht mir immer wieder Spaß beim Lesen, weil ich mich bei vielen Sachen so gut verstanden fühle. Ernste Themen, heitere Geschichten, Buchtipps ... alles dabei!

Und für die, die genug von Kindern haben: Poems for a Lifetime. Jeden Tag ein neues Gedicht, liebevoll kommentiert.

Viel Spaß beim Lesen!

Mittwoch, 29. August 2012

Dumme Väter?

Gerade für einen gestillten Säugling gibt es wahrscheinlich nichts Wichtigeres auf der Welt als Mama. Das liegt einfach daran, dass Mama das wichtigste Bedürfnis des Kleinen befriedigt: Essen. Und da auch heutzutage noch in den meisten Fällen immer die Mutter diejenige ist, die eine Auszeit vom Job nimmt, erst einmal zu Hause bleibt und sich hauptsächlich um den kleinen Schreihals und seine Bedürfnisse kümmert, ist es fast unvermeidlich, dass sie zumindest am Anfang die wichtigere Bezugsperson für dieses kleine Wesen ist, durch den alltäglichen Umgang schneller Routine entwickelt - und sich gegen jede Form der Einmischung und Kritik wehrt.

Das heißt aber nicht, dass Väter nicht auch wissen, was dem Baby guttut. Und auch wenn Papa einige Dinge anders macht als Mama, heißt das nicht, dass das falsch sein muss. Beispiel Windelwechsel und Umziehen: Mama wechselt im Laufe des Babylebens - zumindest am Anfang und unter oben genannten Voraussetzungen - sicherlich mehr Windeln als Papa. Das läuft immer nach demselben Schema ab: Windel aus, Popo mit Feuchttüchern vorreinigen, mit ein wenig Öl die Reste entfernen, bei Bedarf Wundschutzcreme drauf, Windel an, fertig. Soweit kein Problem!

Dann kommt Papa, übernimmt den Windelwechsel, damit Mama mal Ruhe hat - und sie steht daneben und kommentiert. Nun gibt es natürlich zwei Sorten Kommentar. Da ist der konstruktive Kommentar: Man gibt dem Papa ein paar Tipps, um ihm die Arbeit zu erleichtern - Dinge, die man selbst erst im Laufe der Zeit sich angeeignet hat. Schließlich ist noch kein Wickelmeister vom Himmel gefallen. Und dann gibt's das Mosern. Papa lässt beispielsweise die Feuchttücher weg und nimmt dafür mehr Öl. Oder er cremt den kleinen Popo schon beim kleinsten Anflug von Röte ein, bei dem Mama noch nicht mal mit der Wimper zuckt. Oder, oder, oder ... Dem Kind schadet's normalerweise nicht, es fühlt sich pudelwohl, aber Mamas Mosern verunsichert den Papa total. Und wenn Mama viel Pech hat, führt das Ganze irgendwann bei Papa zur Verweigerungshaltung.

Wichtige Erkenntnis: Bloß weil Papa es anders macht, macht er es nicht zwangsläufig falsch - auch wenn Mama das oft denkt. Ich neige zugegebenermaßen auch dazu - und hinterher tut es mir leid. Daher hier mal eine ganz offizielle Entschuldigung; Unser Würmchen hat einen tollen Papa, der sich super um den Kleinen kümmert! Es tut mir leid, wenn ich immer den Klugscheißer raushängen lasse!

Das zum familiären Alltag. Aber es gibt nicht nur den, sondern auch noch - Familienzeitschriften. Sicherlich zollen auch diese Familienzeitschriften den oben genannten Tatsachen, die die Mama zur wichtigsten Bezugsperson machen, Tribut. Und sicherlich sind sie nicht alle gleich - ich spreche nur von einer nicht repräsentativen Auswahl von kostenlosen Zeitschriften, Freiexemplaren etc. Eine wissenschaftlich fundierte Inhaltsanalyse habe ich auch nicht vorgenommen. Hier also nur mein subjektiver Eindruck: Die meisten Artikel - inklusive Bilder - zielen auf Mütter ab. Immer wieder wird davon gesprochen, was Mama fürs Baby tun kann (z. B. den ersten Brei kochen - dabei ist nicht nur bei uns Papa der bessere Koch und wird wohl kaum an Karottenbrei scheitern!). Und die Väter? Die kommen selten zu Wort: Ab und zu darf ein Vater mal einen Kommentar abgeben oder eine Kolumne schreiben. In den Kolumnen wird oft darauf abgezielt, was der Papa alles falsch gemacht hat oder falsch macht, sodass Mama heldenhaft einschreiten muss, um Baby und Familienfrieden zu retten. Man stelle sich das mal andersherum vor. Gibt es so was? Und gibt es - so wie es neben den Familienzeitschriften auch spezielle Mama-Zeitschriften gibt - Zeitschriften speziell für Väter?

Liebe Väter, lasst euch nicht verunsichern! Ihr seid genauso wichtig für euer Kind wie seine Mutter! Und ihr könnt genauso viel (außer Stillen, aber das ist definitiv nicht euer Fehler)!

Sonntag, 12. August 2012

Das erste Mal

Letzten Mittwoch gab es eine Premiere: Wir waren im Kino - das erste Mal, seitdem das Würmchen auf der Welt ist. Tolles Gefühl! Wir hatten viel Spaß, haben viel gelacht und waren insgesamt sehr entspannt, weil wir wussten, dass das Würmchen in besten Händen ist - meine Schwester war ein toller Babysitter (an dieser Stelle nochmals vielen lieben Dank dafür!). Und obwohl ich immer wieder mein Handy kontrolliert habe, war es schön, sich dann wieder in Ruhe zurücklehnen zu können und weiterhin den Film zu genießen.

Gesehen haben wir das neueste Pixar-Werk: Merida. Sehr schöner Film. Aber der Reihe nach: Das Ganze begann wieder mit einem Pixar-Kurzfilm: La Luna. Sehr poetisch und stimmungsvoll - der kleine Junge mit seinen großen Augen hat mich dabei ganz besonders berührt. Ich musste an unser Würmchen denken und wie es wohl sein wird, wenn er die Welt entdeckt, Erfahrungen sammelt, Neues erlebt. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass er dabei glücklich wird!

Der Hauptfilm: Merida. Ich habe viel gelacht, mich gefürchtet, mitgefiebert und Tränen der Rührung in den Augen gehabt. Ein meiner Meinung nach rundum gelungener Film, wenn auch für kleine Kinder an manchen Stellen zu gruselig. Aber ich würde ihn mir direkt noch einmal anschauen! Pixar hat es mal wieder geschafft, mich zu begeistern - wie auch schon mit Oben, Wall-E, Ratatouille und anderen. Stimmungsvolle Bilder, die einen fast vergessen lassen, dass sie am Computer entstanden sind, witzige Dialoge, liebevoll gezeichnete "Nebenrollen" - hat mir viel Spaß gemacht.

Und doch war es auch schön, wieder nach Hause zu kommen und ein friedlich schlafendes Würmchen vorzufinden - einer der schönsten Anblicke überhaupt, an dem ich mich einfach nicht sattsehen kann. Es gibt wohl kaum etwas Friedlicheres auf der Welt als ein schlafendes Baby.

Fazit: Wir freuen uns auf den nächsten Abend für uns alleine - und anschließend wieder aufs Heimkommen!

Donnerstag, 2. August 2012

Citius, altius, fortius

Heute geht's mal nicht ums Baby - heute geht es um etwas, das mir dank Baby und Austragungsort dieses Jahr relativ leicht gemacht wird: Ich kann richtig viele olympische Wettbewerbe schauen. Der Fernseher ist praktisch den ganzen Tag über an und wenn ich unterwegs bin, checke ich dank Smartphone immer wieder die Sportnachrichten. Dann interessieren mich auch Sportarten, die ich sonst nie auf dem Schirm habe, und ich finde es toll, Hintergrundinformationen zu den unterschiedlichsten Disziplinen und zu den Sportlern zu bekommen.

Ich liebe die Olympischen Spiele, vor allem die Sommerspiele. Normalerweise schaue ich selten bis nie Sport im Fernsehen - aber die ganz großen Ereignisse, die nur alle vier Jahre stattfinden - Fußball-WM, Fußball-EM und eben Olympische Spiele -, die finde ich einfach toll. Ich kenne die Kritikpunkte, vor allem bei den Olympischen Spielen: Kommerz, Politik, Doping, Bestechung, Einfluss der Medien auf die Auswahl der Sportarten etc. Aber ich bin ehrlich: Ich ignoriere das. Mir geht es um den Wettkampf, um die Menschen, um kleine Dramen und große Gesten. Ich freue mich über jede deutsche Medaille und leide mit jedem mit, der ganz knapp auf den vierten Platz kommt. Ich finde es großartig, wenn zwei Sportler sich fair abklatschen und sich gegenseitig gratulieren, ich könnte mitheulen, wenn jemand aus Enttäuschung weint, und ich bin gerührt, wenn Glückstränen fließen (da könnte ich auch mitheulen).

Meiner Meinung nach sind die Olympischen Spiele der ideale Ort für große Momente, die sich oft genug im Kleinen finden. Und diese Momente miterleben zu können - das ist es, weshalb ich so gerne die Spiele schaue.